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| PDF: | ISBN 978-3-89797-765-5 / EUR 29.99 |
Das Buch erinnert am Beispiel von Fritz Perls an die Vertreter einer urbanen Avantgardekultur, die aus Europa vertrieben wurden, auswanderten und zumeist in den USA eine neue Heimat fanden. So manches Element des verlorenen Avantgarde-Geistes fand später in angereicherter Form den Weg zurück nach Europa. Die vorliegende Monographie ist die erste, die sich vertieft mit den deutsch-europäischen Wurzeln der Gestalttherapie auseinandersetzt. Sie schlägt damit zugleich eine Brücke zwischen den Kontinenten.
Der Arzt und freudianische Psychoanalytiker Perls floh 1933 aus Berlin und wurde im Alter in den USA zur zentralen Gründergestalt der Gestalttherapie. Die prägenden Jahre im Leben der Pioniere der Moderne begannen mit dem Trauma des Ersten Weltkriegs und erstreckten sich über die Zeit der Weimarer Republik bis hin zu ihrer Emigration aus Nazideutschland. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf den Hintergrund, auf den damaligen sozialen, kulturellen und politischen Erfahrungsraum, in dem Perls sich bewegte, und beschreibt die Einflüsse von Expressionismus, Dadaismus, kulturkritischer Psychoanalyse, Max Reinhards Theater, der Gestaltpsychologie und des Marxismus während seiner vierzig Berliner Lebensjahre. Der hier analysierte Lebenskontext von Perls macht deutlich, dass das an Leid und Kreativität reiche Leben dieser Emigrantengeneration uns noch einiges für die Zukunft zu sagen hat. .
Frederick Salomon Perls (dit ‘Fritz’), der zusammen mit seiner Frau Laura (geb. Posner) im Exil ab 1933 zuerst in Südafrika und später in den USA die Gestalttherapie entwickelte ist mit seinen persönlichen wie beruflichen Wurzeln tief mit der europäischen Avantgarde-Kultur der Zeit vor 1933 verbunden und steht hier sowohl paradigmatisch für die geistesgeschichtlichen Entwicklungslinien, die das 20. Jahrhundert prägten als auch für die entscheidenden Grundalgen der Gestalttherapie als einer der wirkungsvollsten Formen der Psychotherapie für das 21. Jahrhundert. .
Die Biographie zu den Berliner Jahren von Fritz Perls und der Geschichte der Gestalttherapie liegt hiermit als überarbeitete und um bisher unveröffentlichtes Material aus psychoanalytischen Archiven erweiterte Neuausgabe vor. Diese von der internationalen Gestaltgemeinschaft einhellig geschätzte Studie liegt damit in sechs Sprachen vor (Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Russisch), eine weiter in brasilianischem Portugiesisch ist in Vorbereitung.
»Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung sowie zur Definition, Geschichte und Literatur der Gestalttherapie. Der dissidente Psychoanalytiker Perls hat in seinem gestalttherapeutischen Ansatz die reichen Lebenserfahrungen der Berliner Avantgarde-Kultur, in der Juden eine so wichtige Rolle spielten, verkörpert, integriert und vor dem Vergessen bewahrt … eine ausgezeichnete Lektüre für Psychiater, Psychoanalytiker, Sozialarbeiter und interessierte Laien … fesselt das Interesse des Lesers von Anfang bis Ende«
(Henry Zvi Lothane, Professor für Psychiatrie, Mount Sinai School of Medicine/New York. In: International Forum for Psychonalysis)
Aus dem Inhalt
Der Autor
Dr. Bernd Bocian, Gestalttherapeut und Psychotherapeut (PtG), Fortbildung in psychoanalytischer Therapie und Reichianischer Körperarbeit; 1985 bis 2000 Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Gestalttherapie; Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der italienischen Zeitschrift Quaderni di Gestalt und der englischsprachigen Gestalt Therapy Book Series; Autor verschiedener Publikationen zur Geschichte der Gestalttherapie und zur historischen und aktuellen Beziehung zwischen Gestalttherapie und Psychoanalyse, u.a. im vorliegenden Verlag (zusammen mit Fr.-M. Staemmler): Kontakt als erste Wirklichkeit. Zum Verhältnis von Gestalttherapie und Psychoanalyse“. Er lebt und arbeitet in Genua und Düsseldorf.